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Wladimir Majakowski

Wölkchen in Hosen (Prolog)




Euer Traum
im Hirn ist verweichlicht bereits,
wie ein fetter Lakai auf dem speckigen Sofa, bis ich
ihn erst einmal mit dem blutigen Fetzen des Herzens gereizt
und mich sattgelacht, arrogant und bissig.

In meiner Seele fand sich von grauen Haaren kein Schimmer,
keine Greisenzärtlichkeit fand sich!
Da schreit' ich: Es donnert die kraftvolle Stimme.
Und ich bin schön
und bin zweiundzwanzig!

Der Sanfte
orchestriert seine Liebe mit Geigenklang.
Mit Pauken orchestriert sie ein gröberer Geist.
Doch sich umzustülpen wie ich noch keinem gelang,
daß nur ein einziges Lippenpaar da ist!

Kommen Sie zu lernen -
Sie aus dem Wohnzimmer,
samtene Beamtin der Engelsliga.

Und Sie, die Sie Ihre Liebe sonst immer
nur wie ein Kochrezept überfliegen.

Wollt Ihr,
ich werde vom Fleisch ganz wild sein,
himmlisch wechselnd die Farbnuance,
wollt Ihr,
ich werde tadellos mild sein,
ein Wölkchen in Hosen, statt eines Manns!
Angeblich treibt Nizza blühende Ranken aus? -
Schon wieder stimm ich ein Jubelgeheul an:
Es gilt dem Herrn, so schlaff wie ein Krankenhaus,
und dem wie ein Spruch abgegriffnen Fräulein.

aus: Tragödie Wladimir Majakowski. Wölkchen in Hosen


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