Jean Daive

W. Erzählung des Gleichgewichts




W ist die Aufschrift auf einem Papierbündel und einem Paket, in dem eine störende Schwester, ein stummer Vater, eine entfernte Mutter auf die Post gebracht und verschickt werden, um vom Adressaten – einem Leser – Stück für Stück einverleibt zu werden. W, ein gezahnter Buchstabe, ist sein Biß. Er richtet sich gegen alles, was W sonst noch ist oder andeutet: das Weiß, auf das es geschrieben ist, Wien als den Ort einer bestimmten, Psychoanalyse genannten Hör- und Sprechpraxis, das Weh, das mit der Sprache und mit ihrem Fehlen verbunden ist – er richtet sich gegen sie, um sie (vor sich selbst) zu bewahren. W, das Gedicht, ein paranalytischer Parcours, eine Übung in gehemmter Dissoziation, eine stenographische Erzählung von einem, der sich zur Sprache zu bringen versucht und, da er viele ist, nur zu verschiedenen, geteilten und widersprüchlichen Sprachen kommen kann.
Jean Daive, geboren 1941, gilt als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Autoren Frankreichs. Lyriker und Romancier, ist er zugleich einer der ersten französischen Übersetzer der Gedichte von Paul Celan gewesen, der seinerseits Daives ersten Gedichtband «Décimale blanche» ins Deutsche übertragen hat. Die Übersetzung von W durch Werner Hamacher ist die zweite deutsche Übersetzung eines Gedichtbandes von Jean Daive.


Werner Hamacher zu diesem Buch
Manfred Schneider in der FR zu diesem Buch


Bibliographische Angaben:
Jean Daive
W. Erzählung des Gleichgewichts 4
Französisch und Deutsch
Aus dem Französischen und mit einem Nachwort
von Werner Hamacher

Gebunden, Fadenheftung, Schutzumschlag
184 Seiten, 19,5 x 15,5 cm
Euro 19.- / sFr. 36.-
ISBN 3-938767-06-5

August 2006




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