Peter Weber

«Das Bad ist eine Bilderquelle»



Fotografierende aller Länder betreiben heute ein Wegnetz rund um die Therme, die Apparate werden ins Innere geschmuggelt, selbst in Badehosen wird fotografiert. Das Bad ist eine Bilderquelle. Nachts liege ich zwischen Briten, Japanern und Deutschen in internationalen Gewässern, im Schweigen vereint. Draussen tauche ich in einer Entstehungszelle des Wetters auf, der junge Dampf streicht über die Köpfe, von winterlichen Winden wild verwirbelt, bald gebläht, schon wieder in Fetzen gerissen. Die Badenden sind ohne Schwere, kleine Himmelskörper, bleiben mit Auftrieb stundenlang im Wasser, länger als in den Schwefelbädern. Frühmorgens spaziere ich durch eine frische Geräuschlandschaft, folge den Bächen, sie drängen aus den Wiesen, aus dem Schnee. Das Wasser ist zwischen die Schichten gesickert, stelle ich mir vor, durch Kiesel gelaufen, um die Quarze geschlichen. Ich möchte heiss aufkochen, ganz auskristallisieren, langsam erkalten, aus der Masse gebrochen, durch Täler geschoben werden, in einem unermesslichen Schwemmfächer landen, gefaltet werden, Landschaft sein, möchte aus der Wand bröckeln, durch Kinderhände rollen, im Bachbett liegen bleiben.


(Auszug aus Valser Texte - Anthologie der Hausautoren)





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