Pressestimmen zu Wolfgang Schlüter





Ein Monumentalwerk, aber ganz und gar unprotzig. Es soll ja Leute geben, die grundsätzlich keine Lyrik im Bücherregal dulden, nun denn; wer aber nur einen einzigen Lyrikband hat, dem ist zu wünschen, daß er diesen hat. Schlüter hat 250 Gedichte vom 13. bis ins beginnende 20. Jahrhundert übersetzt, fast alles Kleinodien der englischen Literatur (und wenn's keine waren, hat Schlüter sie dazu gemacht). Wenig kanonisiertes Zeugs aus den akademischen Anthologien ist dabei; die Auswahl ist frisch, undogmatisch, berherzt. Frischer, undogmatischer, beherzter noch ist Schlüters Übersetzungsprinzip: er übersetzt die Wirkungskraft der Gedichte, und zwar die auf den heutigen Leser; Gedichte, die den Briten heute befremdlich klingen, sollen's in der Übersetzung auch den deutschen Lesern tun. Leicht gesagt, doch schwer verwirklicht – es sei denn, man geht mit Schlüterscher Virtuosität und Präzision zu Werke. (Friedhelm Rathjen)


Die Suche nach der sprachlichen Entsprechung beim Übersetzen ist für den Romanautor, Musikwissenschaftler und Übersetzer Wolfgang Schlüter «ein Stück konzeptueller, experimenteller Literatur». Das Resultat sind freie, im schnellen Wechsel der Stillagen moderne Übersetzungen, die literarischen Eigenwert beanspruchen. Im Vergleich mit den abgedruckten englischen Originalen kann das funkenschlagende Aufeinanderprallen von Bild, Klang und Rhythmus vom Leser mit Amusement, Erstaunen, vergnüglicher Irritation oder ärgerlichem Widerspruch nachvollzogen werden. Dass es beim poetischen, verändernden Übersetzen als «Spurenlese» und «Magnetfeld zwischen Widerruf und Setzung, Fragezeichen und Apodiktum» kein Richtig oder Falsch im normativen Sinn geben kann, versteht sich. (Martina Wohlthat, Basler Zeitung)


Die hervorragende Gestaltung des Buches vermehrt das intellektuelle Vergnügen um ein optisches und ein haptisches. Wer diesen weissen Ziegelstein einmal in Händen gehalten hat, wird ihn in seiner Bücherwand wahrscheinlich nicht mehr missen wollen. (Jürgen Brôcan, Neue Zürcher Zeitung)


Ein Geschenk an alle Leser, die sich als Globetrotter in fremdes Terrain wagen. (Thomas Döring, Frankfurter Allgemeine Zeitung)


Die Lektüre von Wolfgang Schlüters Übersetzungen zeigt deutlich, dass es ihm nicht um eine einfache Verdeutschung englischer Lyrik geht, sondern um eine literarische Kreation innerhalb des eigenen Sprachraums, die auf allen Ebenen der Rezeption funktionieren soll: der akustischen, der ästhetischen und der inhaltlichen. (Alexandra Lavizzari, Der kleine Bund)


Zur Übersetzung von Thomsons «Jahreszeiten»:

Wolfgang Schlüters Übersetzung ist ein intellektueller Hochgenuss. Man erwarte aber keine Eindeutschung, die sich dem Originaltext brav unterordnet – wer mit solcher Haltung an das Buch herangeht, wird enttäuscht sein. Nicht ohne Grund stehen Original und Übersetzung hinter-, nicht nebeneinander. Obwohl die jambische Fassung mit locker gehandhabten Blankversen sich formal dem Original nähert, beansprucht sie ein erhebliches Mass an Eigenständigkeit und Kreativität. Was auf den ersten Blick anstössig erscheinen mag, findet sich bei Thomson: die ungewohnten Versbrechungen, die Latinismen, die emphatischen Satzzeichen. Jedoch nicht wörtlich ins Deutsche transportiert, sondern so, dass sich auf den heutigen Leser eine ähnliche Gesamtwirkung überträgt, wie sie vielleicht Thomsons Zeitgenossen verspürten. Die altertümliche Orthographie verleiht ausserdem ein authentisches Kolorit. Schlüter vergleicht dies mit der Interpretation alter Musik auf historischen Instrumenten. Und sein Bild ist stimmig: Wie alte Musik der Spekulation und Spielfreude bedarf, um nicht akademisch trocken zu klingen, sind hier verstörende «heutige» Wendungen eingeschaltet. Schlüter übersetzt mit überbordender Wortlust, viel Sachkenntnis und im Detail steckendem Witz. (Jürgen Brôcan, Neue Zürcher Zeitung)


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