Pressestimmen zu Arthur Rimbaud: Illuminationen/Illuminations





Rechtzeitig zum 150. Geburtstag werden die «Illuminations» in einer sehr ansprechenden Neu-Übersetzung präsentiert, die Lust auf Rimbaud-Lektüre weckt. Die zweisprachige Ausgabe von Rainer G. Schmidt, einem altgedienten Rimbaud-Übersetzer, findet eine überzeugende Nähe zu den Prosagedichten – mit einem genauen Blick auf deren semantische Offenheit. (Martin Zingg, Der Bund)


Seine neue Übertragung ermöglicht eine faszinierende Erfahrung. Denn die exaltierte Dynamik der Rimbaudschen Fügungen, das Oszillieren zwischen den Bildern und Bedeutungen, haben noch nichts von ihrer Wirkungsmacht verloren. Es ist diese visionäre Bildschöpfungskunst, die jede Zeit- und Raumordnung in den Versen aufhebt, die auch den heutigen Rimbaud-Leser noch staunen macht. (Michael Braun, FREITAG und Badische Zeitung)


Etwas Seltsames geschieht hier mit Rimbaud. Schmidts Übersetzung holt ihn, ohne ihn mit viel Getöse zu stürzen, vom Podest belehrend raunender Sprachalchemie, auf das ihn ganze Generationen von Interpreten haben stellen wollen. Dass George und Celan wussten, worum es Rimbaud eigentlich geht – keine Frage. Aber dem Durchschnittsleser, der Rimbaud gern begegnen will, bringt das nicht viel. Ja, und nun fällt es einem wie Schuppen von den Augen. Plötzlich begreift man, was dieser gerade mal 20-Jährige wirklich getan hat, damals, als Hunderte von Dichtern klassizistische, symbolistische oder sozialkritische Welterklärungspoesie schrieben. Wie konkret, wie witzig er schreibt, und was für ein monströses Durcheinander er auch anrichtet. Welcher Abgrund zwischen der dahintänzelnden, ironischen, kristallinen Traurigkeit der «Illuminationen» und dem dumpfen Verkünder-Pathos mancher bisheriger Übersetzer liegt. Welches, um es so zu sagen, die Situation war, in der Rimbaud lebte und schrieb: die Romantik eine verunglückte «Versuchung», ein Wühltisch verbrauchter Metaphern, die Zukunft bis in die Theorie hinein «verkauft», die Sprache neu zu erfinden. Schmidt lässt sich von Rimbauds exquisitem Personal, all den Sonnenuntergängen, Wahrsprüchen und chinesischen Königinnen nicht täuschen; das sind Experimente, an deren Ende keine Rhetorik, sondern (vielleicht) eine neue Klarheit steht. «Was wird aus der Welt geworden sein, wenn du abtrittst?», fragt Rimbaud in «Jugend» sich selber und antwortet vorgreifend: «Jedenfalls ist sie frei von heutigem Schein.»
Nie war Rimbaud im Deutschen so «frei», so wenig aufgeplustert, so auf sich gestellt (und nicht auf postume Hilfeleistungen) wie in Schmidts Neuübersetzung. Die heillos mehrdeutigen Prosagedichte werden einfach vor die Leserschaft hingestellt, verstehe, wer will. Eben so, wie Rimbaud das Neue, das noch Unbekannte in seiner zerzausten, exaltierten Sprache aufgehoben wusste. Man muss Rimbaud keinen Georgeschen Ordenswimpel aufdrängen, um ihn ins Stammbuch der Moderne zu setzen. Es ist sogar falsch – auch die Moderne war mal jung. Zu viel Erklärung verbaut das Verständnis. Zu hoffen aber ist, dass ähnliche Neuübersetzungen folgen. (Milo Rau, Neue Zürcher Zeitung)


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