Darf man fragen, hat ein Junge Grund zu klagen, wenn sie immer wieder von vorn beginnt?




Die Sphinx von Pontresina antwortet:

Lieber Wilfried,

wenn sie immer wieder von vorn beginnt, heisst die Frage, womit? Wir nehmen nicht die Klage an. Wir nehmen an, die Frage ist nicht örtlich gemeint. Wir nehmen an, mit «sie» ist ein weiblicher Mensch als Pendant zum männlichen Menschen, dem Jungen, gemeint. Wir nehmen weiter an, der Junge klagt, weil sie immer wieder von vorn mit etwas beginnt, was er für sich genommen, wenn es nur einmal geschähe oder jede Woche einmal oder jede Stunde einmal, nicht beklagen, eventuell begrüssen, sogar, geschähe es nicht, herbeiwünschen würde, und dass es an der Wiederholung liegt, dass er klagt, und auch, dass wer fragt, ob er denn Grund hat zu klagen, erst recht, wenn bedacht wird, dass gar nichts auf dieser Erde von vorn beginnen kann, weil nichts sich selbst bleibt, kein Mensch, keine Tat, keine Bewegung, nichts, niemals, was vielzuviel Spannung ist, um es auszuhalten, vor allem wenn es um diese Dinge geht, von denen wir hier annehmen, dass es um sie geht, geht es um Verschränkung und Vermischung, was auch mit Heraklit nicht aus der Welt zu schaffen ist, mit keinem Philosophen, dass die Welt sich dreht.

Der Mond tut es. Die Sonne tut es. Ohne Rücksicht und immer wieder von vorn. Warum also klagt der Junge, wenn sie es immer wieder gleich den Gestirnen tut? Ist es eine Frage nach den Nerven?
Es ist eine Frage nach etwas zwischen den Menschen. Etwas Spezielles, etwas, von dem nicht jeder/jede will, dass es immer wieder von vorn beginnt. Es gibt Sättigung. Es gibt Übersättigung. Es gibt Sättigungspunkte. Es gibt Gefässe, die laufen sofort über, andere später, andere sind leck, wieder andere sind unendlich bauchig. Wieder andere haben kein Gedächtnis, eine Art mentale Gefässlosigkeit. Für sie ist alles neu, was neben dem Glück, dass alles immer aufregend, bunt und niemals langweilig ist, auch ein Unglück ist, wenn das Neue an allen ungekannten Ecken und Enden wuchert, grünt und spriesst und immer Dschungel ist und es ganz entschieden über des Menschen Kraft geht, hier keine Angst zu haben und einen Weg zu gehen oder bahnen oder gar sein Haupt zur Ruhe zu legen, auf dass es Pläne schmieden und Menschentaten vollbringen kann, erst recht, wenn es immer wieder von vorn beginnt, und sie, dann wandelt sich, was des Menschen Lust und Tröstung ist, in Unruhe und Schreck.

Wem die Gewissheit Gewohnheit ist, dass die Füsse Wurzeln haben und der Mensch nicht vom Planet herabgeworfen wird, wie sehr sich die Welt auch dreht, selbst wenn der Fuss ab und zu im Himmel steht, auch ein Maikäfer nicht, und dem dies Drehen immer wieder wie nie gewesen neu und rauschhaft köstlich ist, der ist ein Glückspilz.

Für den, dem Pilze nichts sagen, beginnen wir wieder von vorne, der Reihe nach, Punkt für Punkt. Mögen sie der Klärung dienen und den Fragenden beistehen.

1. Ein leichtes Beispiel. Wer immer wieder von vorn beginnt und der Gegenstand Essen ist, der macht das römisch mit der Feder oder platzt.

2. Wer immer wieder von vorn beginnt und es ist örtlich gemeint, soll die Stellung wechseln. Es könnte von hinten beginnen und dann nach vorn übergehen, wenn nicht hinten dann das vorgeht, was sonst vorne vorgeht, und umgekehrt, was die Klage anregt, die erst bei umfassender Umkehr, bei völligem Aufhören aufhört, oder bei etwas sehr Unerwartetem.

3. Ist die Klage ein Schrei nach Entwicklung? Wenn ja, was entwickelt sich nicht und warum soll es sich entwickeln?

4. Ist die Klage ein Schrei gegen Entwicklung? Wenn ja, was entwickelt sich und warum soll es sich nicht entwickeln?

5. Beklagt der Junge sich über die Reize der Monotonie? Wenn ja, warum geniesst er sie nicht?

6. Beklagt der Junge eine Methode? Fürchtet der Junge eine Methode? Fürchtet der Junge, die Methode würde ihm das eigene Monster vor die Nase treiben, eines Tages, wenn sie immer wieder von vorn beginnt, dass es dann kommt und seine Zähne zeigt? Wäre dieses Monster zu lieben? Wie liebte dieses Monster es zu lieben? Geht es um Liebe? Moniert der Junge ihre Hartnäckigkeit, und ist durch Hartnäckigkeit und Liebesmüh irgendjemand aus seinem Bau zu locken - und zu geniessen?

7. Klagt er, dass sie sich verschwendet, sagt er, dass sie nicht verschwindet? Wo das Missverständnis tief begraben liegt, liegt der Grund. Statt sich gegenseitig beizuwohnen, einmal, mehrmals, oder immer wieder, kolaborieren beide, und zwar im Auftrag Dritter. Der Junge und das Mädchen sollten dieses Dritte töten. Sollte dieses Dritte schon tot sein, was sehr gut möglich ist, dann sollten sie die Toten zurück an ihre Stelle streng und mit Nachdruck verweisen, mit grossem, mit gemeinsamer Entschiedenheit. Bevor dies geschieht, sollte der Junge nicht aufhören zu klagen und sie nicht, immer wieder von vorn zu beginnen. Denn nichts ist grundlos.

Deine Welt.