NEU: Ein Dichterkomponist im Wiener Fin de Siècle und sein Werk ist zu entdecken: Adalbert Ritter von Goldschmidt, der "Unsterblichkeitsclown". Christian Filips, der Dichter, Übersetzer, Herausgeber, Musikdramaturg, Regisseur und Programmleiter der Sing-Akademie zu Berlin, lässt den "genialen Dilettanten", "Zukunftsmusiker" und "vergessenen Propheten der Moderne" Adalbert von Goldschmidt mit seinen zahlreichen Verbindungen zur Literatur und Musik im Horizont seiner Zeit lebendig werden.




Das poesiefestival berlin findet erstmals in seiner 20-jährigen Geschichte als reines Online-Festival statt. Dafür wird ein eigenes Online-Portal kreiert, auf dem auch der Lyrikmarkt, wie auf jedem poesiefestival berlin, seinen gebührenden Platz bekommt! Auf dem Lyrikmarkt 2.0 stellen sich über 30 Verlage und Magazine vor, die Lyrik verlegen. Sie geben einen Einblick in ihr aktuelles Programm und ihr Verlagsprofil und empfehlen ihre besten Lyrikbände.




Rainer René Mueller liest aus POEMES - POETRA.




Thomas Kapielski liest aus Ortskunde.




Arno Camenisch, Goldene Jahre - "Goldene Jahre ist eine wunderschöne Erzählung um zwei Frauen und ihr Lebenswerk - voller Humor, Wärme, Bescheidenheit und Stolz", schreibt die Schweizerische Depeschenagentur, und Roman Bucheli in der NZZ: "Es ist zum Heulen, wenn Dinge verschwinden, aber nicht, wenn Arno Camenisch darüber schreibt."





Vier Angebote für Augen & Ohren, Geist & Gemüt:

Oskar Pastior: Der Nachlass von Oskar Pastior zeichnet sich durch ein beständiges Ineinander von Stimme und Schrift aus. Eine Vielzahl an MCs mit Hörspielen, Leseauftritten, Belegexemplare von Radiosendungen u. ä. finden sich darin ebenso wie insgesamt 35 Tonbänder, die er 1989 im Tonstudio des Literarischen Colloquiums in Berlin einlas, und 22 Daten-CDs, die er gemeinsam mit Urs Engeler von 2002 bis 2006 aufnahm. Diese Tonbänder und CDs enthalten zusammen das gesamte publizierte Werk Oskar Pastiors in auditiver Form. Das alles kann man jetzt auf dichterlesen.net hören. Damit erfüllt sich auch eines meiner Lebens- und Lieblingsprojekte.

Birgit Kempker: Und gleich noch ein coup de coeur fürs Gehör, "Holidays from Suicide. Hören im Zwischenzustand", ein Hörstück von Birgit Kempker und Anatolatonal: Eine unsentimentale Reise genau zwischen die Welten und Ohren. Iggy Pop als vielfach verwundeter Mensch ist in seiner Furchtlosigkeit der ideale Transformator. Die Musik von Iggy, das Lasso von Anatolatonal sowie die Stimme und der Text von Birgit Kempker reiten einen himmlischen Höllentanz. Zu hören auf SRF.

Robert Kelly: "Die Maximen des Martin Traubenritter", durchgesehene und erweiterte Auflage, übersetzt und versteckt von Urs Engeler: "Don Giovanni" blieb an meinem Tisch im Café Sperl stehen, wo ich für gewöhnlich in der Nähe des Eingangs sitze, mit dem Rücken zu den Billardtischen, und schaute mich mitleidsvoll an. Oder, so ist es ja meistens, mitleidig und mit etwas Verachtung, und sagte: "Traubi, alter Freund, merkst du nicht, nur eine Frau oder Geliebte zu haben ist, als würdest du versuchen, einen Roman mit nur einem einzigen Wort zu schreiben?" Ich antwortete sanft (wie üblich, denn Sanftmut ist gut, sie verkürzt die Konversation): "Hans", sagte ich, "aber was, wenn du dieses Wort tatsächlich wüsstest, und sagtest, und alles wäre gesagt?". Als PDF zum freien Gebrauch hier.

Und zu guter Letzt: Heft 26 der Mütze, für einmal und fürs Erste (bis ich das Heft wieder wie gewohnt drucken und an die Abonnenten verschicken kann) als PDF, zum Lesen am Bildschirm oder zum Herunterladen, ganz wie es Ihnen beliebt, mit Beiträgen von Dagmara Kraus, Farhad Showghi, Nils Röller, Guy Davenport, Jonathan Williams und Ronald Johnson, von dem u.a. ein wahrer crazy cake stammt (vgl. Rezept auf Seite 1322 von Mütze #26).





"Wer jetzt die Aufsätze des im Jahr 2017 verstorbenen Literaturwissenschaftlers Werner Hamacher liest, dem erscheint die Philologie als Disziplin der Stunde", schreibt Philipp Stadelmaier zu "Was zu sagen bleibt" von Werner Hamacher in der Süddeutschen Zeitung, denn: "Sprache ist Getrenntsein. Aber sie ist zugleich das verbindende Element aller Sprechenden, die Möglichkeit ihrer Zuneigung untereinander. Diese Verankerung der Zuneigung zwischen immer anderen Sprachen und Sprechenden ist Hamachers großer Wurf. Alle Sprachen sind anders, ebenso wie jede Quarantäne anders ist. Wir sollten heute alle Philologen werden, mehr denn je." Seine ganze Besprechung steht hier (oder als PDF hier).





Mit "Was zu sagen bleibt" hat der Philologe und Philosoph Werner Hamacher seine letzte große Arbeit überschrieben: "Die genuin philologische Operation ist die Entnennung und Umbenennung, die Entsetzung und Umbesetzung von Äußerungen und ihren Bedeutungen, die Über- und Hinübersetzung von Formulierungen in andere Formulierungen, von einem Idiom in ein anderes. Philologie macht tabula rasa mit der Sprache, die vorgegeben ist, um die Tafel mit einer neuen Sprache zu beschreiben; sie entspricht, was gesprochen ist, um zu ersprechen, was von der Sache, um die es geht, noch zu sagen bleibt." In diesem Sinne nehmen wir die Fortsetzung einer der Literatur zur Literatur gewidmeten Buchreihe an die Hand. In diesem Jahr werden mehrere neue Bände erscheinen, Werner Hamachers Buch macht den Auftakt.




Die Serie der Blacklist-Bücher macht beliebte und vergriffene Bücher aus der Backlist wieder zugänglich: als vierter Band ist Ulf Stolterfohts lange vergriffenes, legendäres quasi-ethno-psycho-biographisches Gedicht holzrauch über heslach wieder aufgelegt worden, und der sich dem heslach-Komplex widmende handapparat heslach hat auch eine Neuausgabe erlebt. Beide Bände zusammen gibt es jetzt für schlaue Sparfüchse als Bundel zu unschlagbaren 18,- Euro bei Bestellung per E-Mail an urs@engeler.de (incl. Porto und Verpackung!). Es gibt sie aber natürlich auch einzeln und auf Wunsch auch über den Buchhandel.




Die Serie der Blacklist-Bücher macht beliebte und vergriffene Bücher aus der Backlist wieder zugänglich: als zweiter Band Love is not all von Edna St. Vincent Millay und als dritter Band Francis Ponge mit L'Opinion changée quant aux fleurs. Jonis Hartmann schreibt auf fixpoetry: "Im Projekt Engelers Blacklist, Vergriffenes wieder aufbereitet und zugänglich gemacht, erscheint als 002 der spannende Auswahlband Love is not all der amerikanischen Dichterin Edna St. Vincent Millay (1892-1950). Sie, die in der ersten Hälfte des Zwanzigsten Jahrhunderts entgegen der grassierenden Moderne beinahe ausschließlich auf handwerklich enorm subtil verfertigte Sonette setzte, war zu Lebzeiten äußerst erfolgreich mit ihren Dichtungen. So sehr, dass ihre Texte in Soldatenertüchtigungsbüchlein während des 2. Weltkrieges erschienen, wie aus dem Nachwort Ina Schaberts zu lesen. Übersetzer Günter Plessow hat eine vierteilige Zyklusauswahl komponiert und zu einem gut laufenden Band zusammengestellt (zuerst 2008 erschienen), außerdem mit einem recht umfangreichen Handapparat versehen, der einige mythologische Bezüge und Schachtelmechanismen der Versvirtuosin aufdeckt."
Die Reihe wird 2020 mit mehreren Bänden fortgesetzt werden.



Arno Camenisch ist sehr erfolgreich mit seinem jüngsten Buch Herr Anselm unterwegs. Die Tourdaten stehen hier. Gallus Frei-Tomic schreibt dazu auf seinem Blog literaturblatt.ch: "Arno Camenisch erfindet seine Welt nicht neu. Im Gegenteil. Er fügt ihr mit jedem Buch nach seiner Kunst ein Zimmer hinzu, fing beim Bahnhof an, beim letzten Buch war es der Skilift und nun das Schulhaus und der Friedhof. Arno Camenisch hat mit seinem Erzählsound eine Nische gefunden, die ihm keine(r) streitig machen kann, kultiviert eine Art des Erzählens, die ganz allein die seine ist. Es ist wohl auch kein Zufall, dass auf dem Cover des neuen Büchleins der Begriff Erzählung oder Roman fehlt. "Herr Anselm" ist wohl mehr so etwas wie das Textbuch seiner neuen Performance. Wer den Sound seiner Stimme kennt, dem klingt beim Lesen dies mit. Man sieht ihn auf der Bühne oder wo auch immer und weiss, dass es funktionieren wird, diese Mischung aus Schnoddrigkeit, Witz und Freude an den kleinen Menschen und Dingen. Sein Erzählen ist ein durchorchestrierter Auftritt, der in seiner Erscheinung als urchiger Bergler in den Kleidern eines Städters, bis in den atemlosen Sprechfluss seines Erzählers passt. Das gefällt oder gefällt gar nicht. Ich göumlnne Arno Camenisch seinen Erfolg, seine Spezialität, dass es, wo auch immer, in der Schweiz die Säle füllt. Vielleicht steckt hinter seinem Erfolg genau diese Bewunderung für die kleine Nische, die er hell zu Leuchten bringt."



Mütze Heft 25, mit Beiträgen von Ronald Johnson, Rahaf Gharzaddien, Jayne-Ann Igel, Hans Thill, Christian Steinbacher/Michèle Métail, Keston Sutherland, Dagmara Kraus, Nils Röller und Svein Jarvoll, wird von Jonis Hartmann auf fixpoetry besprochen.

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Arno Camenisch, Herr Anselm - "Je schneller die schöne Vergangenheit verschwindet, desto beglückender werden Arno Camenischs Bücher", so überschreibt Roman Bucheli seine Besprechung in der NZZ von Arno Camenisch jüngstem Buch, Herr Anselm, das diese Woche in die Buchhandlungen gelangt, und er fährt fort: "Keiner weiss das Hohelied der Nostalgie unsentimentaler und nüchterner zu singen als der Bündner Schriftsteller. Nun lässt er die Schule im Dorf untergehen."

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Jerome Rothenberg, Polen/1931 - Auf Deutschlandfunk Kultur diskutiert eine wechselnde Kritiker*innen-Runde immer mal wieder über Gedichtbände. In der Sendung vom 24. August sprachen Maren Jäger, Gregor Dotzauer und Jan Bürger unter dem Titel "Dichten über das, was wichtig ist" auch über Jerome Rothenberg und sein roughbook Polen/1931 und über dessen verdienten Übersetzer Norbert Lange (ab Minute 42).

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Svein Jarvoll, Eine Australienreise und Thanatos - "Hier ist alles drin", schwärmt Thomas Fechner-Smarsly in seiner Besprechung im WDR: "Buchgelehrsamkeit und abschweifende Suada, vielstimmiges Spiel mit Gattungen, Wortwitz, Küchenlatein, Volksmärchen, Vogellaute, der Dialog zweier Leichenmaden namens Jack und Jock und sogar Skatologisches: der Furz gehört offenbar zu den Lieblingsäusserungen des Autors. Doch sinnleer sind seine Wortspiele nie. So dürfte Istmir Derandere Schmied eine Anspielung sein auf Ezra Pound: ihm hatte T.S. Eliot seine Dichtung "The Waste Land" gewidmet mit den Worten: "der bessere Schmied". Und manchmal kommt es einem tatsächlich so vor, als habe Svein Jarvoll einen von Italo Calvino ausgedachten Renaissance-Roman durch den Sprach-Hechsler von Pounds Pisaner Cantos hindurchgetrieben." Und er endet seine Besprechung mit: "Also Leser: Lass allen Wankelmut fahren und tritt unter der Suprapforte hindurch in dieses Buch!"

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"Gemessen an ihrer Bedeutung ist die Publikationslage des Werks der Dichterin Elke Erb ein Skandal", schreibt Tobias Lehmkuhl in seiner Würdigung von Elke Erb in der Besprechung ihres jüngsten Buches Gedichtverdacht in der Süddeutschen Zeitung. Ob das nun als ein Lob für den Verlag zu verstehen ist, der sich seit 1997 um Elke Erb und ihr Werk kümmert (der Perlentaucher versteht es so) oder doch eher seine Schmähung, ist nicht ganz klar. Wenn Sie sich selber eine Meinung bilden wollen: Tobias Lehmkuhls Besprechung steht hier.

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Vincent Sauer bespricht bei fixpoetry den Gedichtband Polen/1931 von Jerome Rothenberg: "Zweifellos geht es in Polen/1931 um die Last, die auf einer Gemeinschaft liegt, die oft in Not lebt, fast ständig bedroht wird. Aber Rothenberg belädt nicht mit Bedeutung, stopft die Gedichte nicht mit Wissen voll, sondern erreicht in vielen der Texte eine eigentümliche Lockerung zwischen Tod und Teufel und viel heiliger Scheiße. Seine Sprache ist ein durch die Geschichte gewonnenes Parlando ohne Redseligkeit, das immer wieder am hohen Ton kratzt, etwas Elegisches gewinnt, um dann wiederum durch die Derbheit, Brutalität, explizite Sexualität, die beschrieben wird, jede Form von Sermon-Imitat verhindert."



NEU: roughbook 049, Jerome Rothenberg: Polen/1931. In den Gedichten des Bandes Poland/1931 beschwört der 1931 in New York geborene US-amerikanische Dichter Jerome Rothenberg das Jahr seiner Geburt, die Sprache seiner Ahnen, die Orte seiner Herkunft. In den achtziger Jahren ist Rothenberg nach Polen gereist, um dort nach den Spuren seiner jüdischen Vorfahren zu suchen. Seine dabei entstandene vielsprachige Ethnopoesie folgt einem Prinzip der "Grand Collage" (Robert Duncan) und beginnt mit der Beschwörung einer Sprache, die fast ausgelöscht wurde. Das polnische Jiddisch des Jahres 1931 ist wenige Jahre später zu einer Sprache der Geister, der Dibbuks, der ermordeten Juden geworden. In seiner obsessiven Ahnenfeier sucht Rothenberg die Dokumente und Sprechweisen seiner Vorfahren auf, überblendet die Zeiten, folgt den Emigranten in die "Amerikakatastrophe" und wiederholt die alten jüdischen Rituale für eine Gegenwart, die nicht vergessen sollte: "Mein Geist ist gestopft mit Tischtüchern & mit Ringen doch mein Geist träumt sich nach Polen gestopft mit Polen." Norbert Langes Übersetzung überträgt das Amerikanische in die Sprache der deutschen Invasoren. Umso deutlicher behauptet sich dabei das Jiddische jener Geister, die von sich sagen: "polyn polyn polyn polyn polyn zaynen mir nid."



Das Lyrische Quartett im verdienstvollen Lyrik-Kabinett zu München versucht sich (ab Minute 38 der Aufzeichnung) auf Vorschlag des beherzten Florian Kessler an Svein Jarvolls Eine Australienreise.



Jonis Hartmann bespricht auf fixpoetry Heft 23 der Mütze: "Mütze 23 ist eine Fundkiste."



Das Schweizer Radio hat Arno Camenischs Buch Der letzte Schnee als Hörspiel produziert und dafür die Auszeichnung Hörspiel des Monats Februar 2019 durch die Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste gewonnen. Das Hörspiel ist deshalb jetzt auch in deutschen Rundfunkprogramm zu hören, zuerst der Deutschlandfunk am Samstag, 4. Mai um 20:05 Uhr, und auch am Schweizer Radio ist es auf SRF 2 Kultur am 25. Mai 2019 um 20h noch einmal zu hören.

Die Begründung der Jury:
In der Hörspielbearbeitung seines Romans "Der letzte Schnee" beschreibt Arno Camenisch die Zwiegespräche der beiden Besitzer eines betagten Skischlepplifts, Paul und Georg, in der Einsamkeit des Bündnerlands in den Schweizer Alpen. Es sind die Zeiten des Klimawechsels, des immer öfter ausbleibenden Schnees, noch hat die Saison nicht wirklich begonnen. In den Dialogen, oft aber auch Monologen der beiden alten Hüter ihres Skischlepplifts entfaltet Arno Camenisch mit "Der letzte Schnee" ein Endzeitstück, das niemals schwarzmalend daherkommt, sondern die Protagonisten immer in freundlicher, fast melancholischer Erwartung des Endes ihrer Bestimmung und damit auch der Schnee- und Skitradition ihres Bündner Landes beschreibt. Camenisch nutzt den Kreislauf des endlos abspulenden Skilifts als Definitionsbereich für die Lebensläufe, als Metapher für die mäandernden Erfüllungswege und Erwartungen der beiden Protagonisten: ein trauerndes, aber nie deprimiertes Abschiednehmen vom geregelten Zieleinlauf ihrer Pläne, ihrer Illusionen, ein sich Erfreuen am Leben mit dem Ende vor Augen. Mit den anekdotenreichen, zart ironischen Gesprächen der beiden Alten schafft Arno Camenisch ein fast meditatives Werk voller blitzend-lebenskluger Einsichten der beiden alpinen Philosophen - grandios gespielt von Ueli Jäggi und Stefan Kurt - und ihrem weiten, weisen Blick von ganz oben in die Täler der Realität. In sprachlich überaus poetischer Diktion bietet Camenisch über die Sicht seiner beiden knorrigen Protagonisten den Versuch einer Versöhnung mit den Veränderungen der Zukunft an. Die Musik von Jul Dillier unterstützt mit großartigen, äußerst einfachen, aber extrem wirksamen Statements eines einsamen Akkordeons die Melancholie des Textes, bleibt dabei aber immer der literarischen Struktur verpflichtet. Auch die Schlusssequenz von Arno Camenischs Hörspiel "Der letzte Schnee" klingt nach dem ersten erschrockenen Wahrnehmen fast wie eine freundliche Tröstung: "Man will sich gar nicht ausmalen, was der Herrgott im Himmel als Nächstes bereithält. Wenn es hochkommt, beginnt er vermutlich noch, die Berge ins Tal zu stürzen und macht uns alle zu Staub." - "Der Tod kuriert uns vom Leben." - "Und wir stehen hier wie zwei Pajasse, parat für die nächsten 50 Jahre, was für ein komisches Los wir da gezogen haben." - "Da käme man glatt auf die Idee, zu den Narren zu halten - anstatt zu den Heiligen."



Nico Bleutge bespricht in der NZZ Elke Erbs Gedichtverdacht.

Das jüngste Buch von Elke Erb, Gedichtverdacht, ist unter den Lyrik-Empfehlungen 2019, empfohlen von Monika Rinck. Sie schreibt: "Neue Gedichte aus fünf Jahrzehnten - das ist Elke Erbs Band Gedichtverdacht. Die mit neuen Gedichten von Elke Erb verbringbare Zeit (die gute Zeit!) wird also nicht aufhören. Die Dichterin ist knapp, wo die Fakten dies fordern, scharf, wo der Schnitt die Leser feit und befreit, kühl und frisch wie Quellwasser und so genau wie das, was das Unbewusste weiß, aber nicht sagt. Man liest eine Wörtlichkeit unter dem Anprall der Jahre: die Zeit, die zwischen Notieren, Liegenlassen und Holen vergeht. Sichtbar wird die Form, wie sie sich über die Jahre verändert, aber auch die Jugend des ältesten Kerns der Erbschen Poetologie. Das letzte Gedicht des Bandes, 'Das mit dem Baum', lässt die Leserin am frühen Morgen des 12.12.2018 zurück. Die Sachen entstehen nicht plötzlich im Sinne des altgriechischen Poiesis-Begriffs, nein, man muss sie holen. Und Elke Erb hat diese Texte mit sicherem Griff für uns geholt, und ich bin sehr dankbar, dass Urs Engeler sie gebracht hat. 'Das ist hier der Fall.'"




Elke Erb: Gedichtverdacht. Der jüngste Gedichtband von Elke Erb beginnt mit einem älteren Text, "Die Olympiade" von 1970, wie alle Texte in diesem Buch im Sommer, den Elke Erb jeweils in Wuischke verbringt, "aus dem Tagebuch geholt" und hier zum ersten Mal veröffentlicht: "Jammerschade, dass es nicht gelingt, diesen Traum zu erzählen ..." Das letzte Gedicht, "Das mit dem Baum" vom "12.12.18, halb sieben", ist den Bäumen gewidmet: "Sie werden mich übersterben. / Meine Handflächen meinen: Schade um sie." Von Traum zu Baum, dem Faden der Geduld entlang, mit dem Elke Erb das Alltäglichste und das Wunderbarste miteinander verbunden hat. Das ist "Poesie": "Ich sagte plötzlich beim Frühstück mit den beiden hier auf dem Land: / Man ist ja irgendwie immer elf, und Geli: stimmt, sie sei immer 12. / Ei!"



roughbook 047, Jean Daive: ward gebaut. "fut bâti" ist der zweite Gedichtband von Jean Daive, den Werner Hamacher 1979/80 übersetzt und dem Suhrkamp Verlag zur Veröffentlichung angeboten hatte, wo bereits Decimale Blanche, die "Weiße Dezimale" in der Übersetzung von Paul Celan, erschienen war. Suhrkamp lehnte ab. Jetzt aus dem Nachlass von Werner Hamacher im Deutschen Literaturarchiv in Marbach herausgegeben von Urs Engeler, zweisprachig Französisch und Deutsch, mit einer Vorbemerkung von Werner Hamacher zur Ankündigung des Buches. "Ward gebaut spannt sich aus in der Perspektive vom Schrei bis zum Satz, siebenmal unterbrochen von sieben Zyklen, bis zum Rück-Schrei von Körper und Erinnerung, der siebenmal versucht, ein Substantiv zu artikulieren, Sprache zu finden. Die Geschichte der Sprache wird durch den Körpertext erzählt, während die Geschichte der Sprache durch den Körpertext gebrochen wird. Doppelte Bewegung einer Sprache, die dazu neigt, ihre eigene Erzählung zu formulieren, die versucht zu erscheinen: ward gebaut, was nicht ist." (Jean Daive)



Eine sehr schöne, weil triftige Besprechung widmet Vincent Sauer den Heißen Fusionen von Christian Filips: "Filips' Gedichte sind nicht Arbeitsnachweis oder ewig verlängerte Abschlussarbeit, sondern radikal subjektive, oft narrative, selbstreflexive 'poetische Gedanken statt rhetorischer Reflexionen' (Marx) ... größtenteils - einige sind vielleicht auch schlicht kluge Witze." Am liebsten würde ich die ganze Besprechung kopieren, begnüge mich aber mit dem Schluss und verweise auf die Seite der SIGNATUREN, wo die Besprechnung in ihrer Gänze zu lesen steht: "Filips' Schreiben geht Wagnisse ein. So billig das klingt: Gerade deshalb, weil sie ein Interesse daran haben, dass man sie versteht. Das funktioniert. Ein Literat aus Fleisch und Blut, der in unserer Zeit eine Biografie hat, dem sich die Welt und er selbst aufdrängen, ist am Werk. In vielen Gedichten heute, die vielleicht Angst haben, pubertär zu wirken, soll dieser Eindruck ja nie niemals nicht aufkommen. Es ist gut, ja aufklärerisch, wenn man beim Lesen immer wieder realisiert, dass man da ist."



Am 1. Januar 2019 feierte Rainer René Mueller seinen 70. Geburtstag; das "Forum für autonome Poesie" SIGNATUREN widmete Mueller zu dieser Gelegenheit ein Dossier mit Texten von Alexandru Bulucz, Ingo Ebener, Dirk Uwe Hansen und Jayne-Ann Igel. Im Alter von siebzig Jahren ist Rainer René Mueller zum ersten Mal nach Israel gereist. Für die Republik (einem neuen Modell im Schweizer Journalismus) hat er aufgeschrieben, was das für ihn bedeutet.



"Ein großer Klassiker der twen-cen-Lyrik ist Frank O'Hara's Lunch Poems, aus den 60ern, die Dagmara Kraus im roughbook 046 gleich zweimal dekonstruiert", vermeldet Jonis Hartmann auf fixpoetry, und er fragt sich: "Der exzentrische Zerfall/Befall der in Teilen völlig zerknüllten Seiten des aby OHrkranF ist heftig, hier wohnt etwas Unbescheidenes, was genau ist ein Buckel, ist das ein Spaß?"



Herr Tholl von der Süddeutschen Zeitung war in der Schweiz Skifahren und hat neben Sonne und Schnee auch ein Buch genossen, das ihm "die geliebte Gefährtin in den Urlaub mitgebracht hatte. Es heißt Der letzte Schnee und stammt von Arno Camenisch. Es handelt von zwei Herren, die jeden Tag einen Schlepplift betreuen, zu dem kein Mensch mehr kommt. Der eine der beiden ist emsig, füllt jeden Tag das Berichtjournal aus, in das es nichts einzutragen gibt, er schraubt ein bisschen an den Bügeln herum oder räumt den (letzten) Schnee vom Dach das Lifthäuschens. Der andere erzählt. Von Lieben, die kamen, gingen oder blieben, von Toten im Dorf, davon, wie sich alles verändert. Dieses Erzählen ist wie das Licht im Hochgebirge im Winter, wenn der Winde den neuen, feinen Pulverschnee aufbläst und die Sonne durch das weißstaubige Gespinst scheint. Die Sprache hat nichts Larmoyantes, obwohl in ihr vom Verschwinden berichtet wird, gegen dass die beiden Herren mit ihrer unaufgeregten Eigenart einfach anleben, ohne daraus ein Brimborium zu machen. Das ist herrlich schön."



Jonis Hartmann Besprechung von Heft 22 der Mütze, erschienen bei fixpoetry und dort in Gänze zu lesen, endet mit "die abschließende Sammlung Bertram Reineckes [treibt] das Gebrauchte auf die Spitze, mit 'streng montierten' Versen aus der Literaturzeitschrift Risse 18-39. Eine überraschende, in viele Ebenen greifende Technik, bei der Textteile wie kuratiert in einer Galerie zu einem bestimmten Thema zu stehen kommen, sich dabei als Kontinuum erweisen. Es ergeben sich Wiederholungen, wie hypnotische Samples, 'täuschend einsame geräusche', 'kondensstreifen, die zurückbleiben' und dazu ein umfangreiches Register. Der spannende Heftschlusspunkt."



"Ein Höllenspaß", sagt Fabian Thomas in seinem Alltags-Musik-Literaturblog The Daily Frown über Dagmara Kraus Aby Ohrkranf's HUNCH POEM, "das mittlerweile historisch gewordene provokante Potenzial von O'Haras Lunch Poems wird damit zwischen den Zeilen wieder sichtbar - eine schöne Hommage an einen Klassiker der modernen Dichtung".



Matthias Friedrich, der Übersetzer von Eine Australienreise gibt bei lyrikkritik.de Auskunft zu seiner Entdeckungsreise auf den Spuren von Svein Jarvoll. Eine Passage daraus:

Die Australienreise hat mit einer realistischen Erzählung, wie sie spätestens seit der Literatur des 19. Jahrhunderts üblich ist, nichts zu tun; sie ist nämlich eine Systemdichtung und entwirft ein Weltbild, dessen Anregungen in antiken und mittelalterlichen Texten zu finden sind. In den Melbourne-Vorlesungen, die sich nicht als Autofiktion à la Knausgård, sondern als literaturtheoretische Bekenntnisschrift verstehen lassen, schildert Jarvoll, wie er "im contra-Ockham-Geist" ein "weitläufiges Permutationssystem" entwirft, dessen hervorstechendes Merkmal die "Verknüpfung disparater Elemente" ist. Konkret ist hiermit vor allem die Buchstabenkombination M/S gemeint, also die Initialen des Ich-Erzählers, die auch noch in vielen anderen Akronymen auftauchen: "Merkur Sendebote", "Morte Sicura" etc. (in einem Interview mit der Zeitschrift Vinduet erwähnt Jarvoll, dass es ungefähr 300 dieser Verbindungen im Roman gibt; ich habe nicht nachgezählt). Statisch oder schematisch ist an dieser Vorgehensweise jedoch nichts, denn Jarvoll setzt voraus, dass es innerhalb dieses Systems Veränderungen und Entwicklungen geben kann. Im 12. Essay der Melbourne-Vorlesungen findet sich folgende Beschreibung hierzu; alle Seitenzahlen beziehen sich auf die Seitenzahlen der Australienreise-Originalausgabe von 1988: Das System "ließ beispielsweise eine Katze stufenweise Veränderungen drastischer Art durchlaufen, von der heraldischen Katze auf S. 16, der Miezekatze auf S. 16 (der gleichen Katze), dem Löwen auf S. 17, der In-der-Tiefe-der-Treppenschlucht-Katze auf S. 39, welche auf der gleichen Seite zur mittelmeerumspannenden Katze wird, bis zu ihrer Abwesenheit in den kanonischen Schriften auf S. 216, ihrer apokryphen Anwesenheit im Buch Baruch auf der gleichen Seite, und ihrer unmittelbaren, erneuten Anwesenheit qua alphabetischer Katze auf der gleichen Seite, bis zum Ausgangspunkt der Permutationsserie, der unmittelbarsten Anwesenheit von allen, einer weiblichen Katze namens Omega, für die er in Australien die Verantwortung übernahm, mit M-förmigem Ohrenpaar und noch dazu mit M-Blesse auf der Stirn, abgebildet auf dem Staubbinder, dem Schoße des Permutators, auf der Veranda des Hauses, in dem sie beide wohnten, in Queensland, zur Linken eines Fensters, das sich, auf die andere Seite gedreht, auch als ein M erwies." Der Roman selbst bietet also einen Horizont, in dem sich Bezüge miteinander verknüpfen lassen; er ist eine offene Experimentierfläche, die einem ganz konkreten Thema Raum gibt, nämlich der auf den ersten Blick vielleicht absurd erscheinenden Frage, wie sich im Diesseits eine Jenseitsreise durchführen lässt, wenn der religiöse Bezugspunkt fehlt.

Und eine weitere zu "unbekannten Wörtern":

Jarvoll ist ein sehr höflicher Mann, der geduldig die manchmal seltsamen Fragen seines Übersetzers beantwortet hat. So schickte ich ihm im Frühjahr 2016 die Liste mit unbekannten Ausdrücken, die sich auf mehrere Seiten belief; außerdem stellte ich ihm gezielte Fragen dazu. Mit den Antworten zog es sich vielleicht auch deshalb ein wenig hin, weil Jarvoll für seine Recherchen die Bibliothek aufsuchen musste; schließlich waren seit der Veröffentlichung des Romans schon fast dreißig Jahre vergangen. Das Warten lohnte sich allerdings. In der Rückschau kommt es mir so vor, als könnten auch diese vielen seltenen Worte alleine eine Einführung in dieses vertrackte Buch leisten: Denn oftmals unternehmen sie eine Reise durch die Zeit. Sicherlich ist es etwas abgeschmackt, an dieser Stelle die berühmte Madeleine-Passage aus Prousts À la recherche du temps perdu zu bemühen, aber sie passt. Das einzelne Wort kann das Publikum der Australienreise oder mich, den Übersetzer, in eine ähnliche mémoire involontaire versetzen wie das trockene, lindenblütenteegetunkte Gebäck den Erzähler Marcel. Nur, dass die Erinnerung dann nicht in die Geschichte einer untergehenden, dekadenten Pariser Aristokratie führt, sondern geradewegs zwischen die staubigen Regale der Deichmannsken Bibliothek in Oslo, zu den "frenetischen Etymologisierungsversuchen" der Lexikographen, wie es an einer Stelle des Romans heißt, oder in literarische Texte, die wenig bis gar nicht oder, wie das bei Jarvoll häufig vorkommt, gegen den Strich gelesen werden. Zurück zu den Listen mit den unbekannten Wörtern: Einige davon führen in überraschende Welten, wie der Ausdruck "Almains Kamm", der am Ende des dritten Kapitels steht; mit einem ebensolchen ordnet sich ein Zugreisender nämlich das Haar. Wie soll das vonstattengehen? Ist das eine Marke, die mir als modisch notorisch Unbelecktem natürlicherweise entgangen ist? Mitnichten; Jarvoll schrieb mir, der Ausdruck bedeute, dass sich jemand mit den Händen die Haare kämme, was, wenn man es ins Französische übersetzt, sofort und erhellend zu François Rabelais' Gargantua führt, über den es heißt: "après se peignoyt du peigne de Almain, c'estoit des quatre doigtz & le poulce". In Gottlob Regis' Übersetzung von 1911 heißt diese Stelle: "Darauf strält' er sich mit dem Schwäbischen Sträl, das sind die vier Finger und der Daumen." Der "Sträl" wird in diversen Dialekt-Wörterbüchern (dem lothringischen, dem Schweizer Idiotikon) unter anderem als "Kamm" definiert. Es wäre zu verlockend gewesen, diesen seltenen Ausdruck direkt von Regis zu übernehmen (eine Lösung, die Jarvoll sicher gefallen hätte), ich allerdings blieb bei dem französischen Text und dessen Anspielung auf den Theologen Jacques Almain, der u. a. scholastische Werke verfasste; "Almain" kann aber auch eine Verballhornung des italienischen "al mano" sein, also "mit der Hand". So führt eine einzige Unklarheit zu Dingen, die vorher vielleicht abwegig erschienen, etwa zum Dialekt, zur Kirchengeschichte oder zur Satire à la Rabelais. Soweit ich mich erinnere, schrieb mir Jarvoll später, dass er Gargantua etc. während seines Aufenthaltes in Australien gelesen hatte; dies ist eine mögliche Erklärung dafür, wie er auf diesen etwas absonderlichen Ausdruck gestoßen sein könnte.




Ich wünsche allen ein gesundes und ein glückliches neues Jahr!

Für mich geht es gleich gut los mit einer Besprechung von Svein Jarvoll, Eine Australienreise durch Guido Graf im Büchermarkt des Deutschlandfunk vom 3. Januar 2019:

"Lesend mäandern wir durch das Labyrinth eines nur scheinbar schmalen Romans, der es leicht mit den Monstrositäten der klassischen Moderne aufnehmen kann: eine Reise durch Sätze mit den unerwartetsten Wendungen, bei der man ständig das Gefühl hat, gar nicht von der Stelle gekommen zu sein, sondern an einer unmerklichen Parallelverschiebung teilzuhaben. Es ist nicht leicht, dieses Labyrinth Svein Jarvolls wieder zu verlassen."

Und weiter führt Guido Graf in die Besonderheiten des "Verstecks" ein (dessen Bücher man übrigens auch abonnieren kann, wenden Sie sich einfach vertraulich an mich):

"Präsentation, Format und vor allem die Inhalte gehen im Versteck im Verlag von Urs Engeler eine beeindruckende Synthese ein. Besucht man die Website "dasversteck.com", sieht man zunächst einmal nur schwarz. Und zwei ebenso große wie rätselhaft bleibende weiße Zahlen: 107 und 774. Das Schwarzweiß-Spiel setzt sich fort, klickt man auf die Zahlen, etwa auf die 107: Hier ist erneut erst einmal nur schwarz zu sehen. Man fängt an zu scrollen und das einzige, was man nach einer Weile zu sehen bekommt, sind ein Link zu einem Text des Übersetzers Matthias Friedrich, ein winziger Bestellbutton sowie Links zurück zur Homepage oder zum Engeler-Verlag. Mutige, die auf den Button klicken, gelangen zu einem Bestellformular für den Roman "Eine Australienreise" von Svein Jarvoll. Geht man im Browser zurück, sind die Stellen, auf die man zuvor geklickt hat, verschwunden. Es bleibt nur noch ein schwarzes Loch. Wenn man aber länger in dieses Loch hineinschaut und die Lichtverhältnisse beim Lesen mitspielen, entdeckt man, dass sich in der Schwärze die noch tiefere Schwärze eines Textes verbirgt, der erst sichtbar wird, wenn man etwas mit dem Cursor markiert. Auf diese Weise erst erfährt man etwas mehr über dieses "Versteck", das sich gut versteckt, und man erfährt mehr über das Buch des bislang im deutschsprachigen Raum vollkommen unbekannten Norwegers Svein Jarvoll."

Hier kann die Besprechung in Gänze nachgehört und -gelesen werden.

Und wenn wir schon am Geheimnisse verraten sind: das neue Jahr verspricht ein sehr reiches für die roughbooks zu werden. Genaueres verraten dann aber erst die kommenden Newsletter, und die Abonnenten erhalten diese Abenteuer in Poesie wie immer heimlich per Post zugestellt. Die roughbooks können weiterhin abonniert werden, sei es im Großen und Ganzen oder neu auch im etwas handlicheren Paket (die roughbooks 046 (das ist die bereits erschienene Verbuckelung der LUNCH-POMES durch Dagmara Kraus zu HUNCH-POEMS), 047, 048 und 049 für einmalige 50 Euro bzw. 60 Franken, incl. Versand): http://www.roughbooks.ch/abo.html.





Der das über eines meiner eigenen Lieblingsbücher sagt, ist Stephan Bader, Kulturredaktor beim Literarischen Monat anlässlich der "Lese-Highlights 2018: Die Lieblingsbücher der Redaktion im zu Ende gehenden Lesejahr".





Dagmara Kraus verbuckelt einen Klassiker im Format der roughbooks: aus Frank O'Haras LUNCH POEMS (San Francisco, City Lights Books, 1964) wird Aby Ohrkranf's HUNCH POEM (Schupfart, roughbook 046, Dezember 2018) - ein Gibbusgedicht in fünfundzwanzig Aufzügen, großenteils in 'Gibbirish' (sic) gehalten, einem anmakaronisierten Englisch mit pseudoirischem Klangstich.





Jonis Hartmann bespricht auf fixpoetry den Roman Eine Australienreise von Svein Jarvoll: "Die Frage nach den Mitteln und dem Zweck stellt sich hier nicht, zu groß ist der Raum, der aufgemacht wird. Vielleicht um einen alten Vergleich zu bemühen: vor dem Buchdruck war die gotische Kathedrale das maximal gesammelte komplexe Wissen im (übergroßen) Format - hier bei Jarvoll ist es etwas anderes, aber als Lesender fühlt es sich irgendwie vergleichbar an. Was an Spezialreferenzen und Scherzen, analogen Verlinkungen und Fälschungen da auf einen einprasselt, ist wie für Aliens verfasst. Und trotzdem ist es nicht unzugänglich. Vieles muss man akzeptieren, sich durchpirschen, oder springen oder sonstwelche Lesetaktiken aufwenden, um dranzubleiben, anderes wiederum, natürlich variierend von Zeile zu Zeile, hört sich an wie das Größte überhaupt. Saukomisch, clever und von tiefster Melancholie durchzogen. [...] Unser Ende ist Lesen. Man muss es vor sich haben, in genau der Gestalt. Wunderschön, rätselhaft, fordernd."

Und in seiner Besprechung der Mütze Heft 21 gleichfalls auf fixpoetry legt Jonis Hartmann nochmal nach.





Eines der Bilder, die Birgit Kempker für Robert Kelly in sein persönliches Exemplar von Catman ist betriebsbereit gezeichnet hat. Seitdem Birgit und Robert gemeinsam Scham/Shame geschrieben haben, spricht Birgit Cat. Weitere Zeichnungen zeigt sie täglich auf Instagramm. Auch Sie könnten ein persönlich für Sie von Birgit Kempker gezeichnetes Exemplar von Catman haben.





Ulf Stolterfoht setzt bei Kollegin Seel seine fachsprachen-Lieferungen fort, mittlerweile die fünfte, fachsprachen XXXVII-XLV. Die ersten vier Lieferungen, fachsprachen I-IX, fachsprachen X-XVIII, fachsprachen XIX-XXVII und fachsprachen XXVIII-XXXVI sind weiterhin lieferbar. Und, ZAWAMMM, jetzt lassen wir die Geburtstagsbombe platzen: von der dritten Lieferung, fachsprachen XIX-XXVII, gibt es noch ein paar Exemplare der einmaligen, limitierten, vom Autor nummerierten, signierten und mit Schlusswort versehenen Originalerstveröffentlichung! Wer da nicht kookt!





Matthias Friedrich schreibt zum Roman Eine Australienreise von Svein Jarvoll im Blog The Untranslated und hier auf Deutsch.